MED in Mainz

Arzneimittelinteraktionen

01.02.2017

Arzneimittelinteraktionen

von Frederick Herbst, Apotheker | Apotheke in der MED

Ein vielfach unterschätztes Problem
in der Versorgung von Patienten

Unter Arzneimittelinteraktionen oder -wechselwirkungen versteht man in der Pharmazie die gegenseitige Beeinflussung von Medikamenten bzw. die Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Nahrungsmitteln. 

Hierbei können die Wirkungen der entsprechenden Medikamente verstärkt, abgeschwächt oder sogar komplett aufgehoben werden. Dies kann zur Folge haben, dass wichtige Therapieziele, wie z.B. die richtige Einstellung auf Schilddrüsenmittel oder eine optimale Blutdruck-/Blutzuckereinstellung, gefährdet werden.

Das Verständnis und die Aufklärung von Arzneimittelinteraktionen spielen heutzutage eine immer wichtigere Rolle. Aufgrund des demographischen Wandels und der damit verbundenen Zunahme der älteren Bevölkerung rechnen Experten damit, dass die Anzahl an Arzneimittelverschreibungen in den nächsten Jahren stetig steigen wird. 65-jährige nehmen momentan durchschnittlich fünf Medikamente zu sich (1).

Man geht davon aus, dass bis zu 7% aller Krankenhausaufenthalte in Deutschland durch Arzneimittel verursacht werden (1). Die Kosten dieser arzneimittelbedingten Krankenhausaufenthalte werden in Deutschland auf ca. 400 Millionen Euro geschätzt (2). Aufgrund dieser Zahlen wird ersichtlich, wie wichtig ein gutes Zusammenspiel zwischen dem behandelnden Arzt und der versorgenden Apotheke ist, um dem Patienten eine möglichst sicherere und gut verträgliche Arzneimittelversorgung anbieten zu können.

Im Folgenden sollen einige relevante Beispiele von Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln beleuchtet werden.

Interaktionen zwischen Arzneimitteln:

Eine der am häufigsten verordnete Arzneimittelgruppe in Deutschland sind die sogenannten ACE-Hemmer. Diese umfassen unter anderem die Wirkstoffe Enalapril und Ramipril, die seit Jahren erfolgreich gegen Bluthochdruck und Herzinsuffizienz eingesetzt werden. Grundsätzlich handelt es sich bei dieser Arzneimittelgruppe um gut verträgliche Arzneimittel, was man unter anderem an ihrer hohen Verordnungszahl sieht. Werden sie jedoch mit „kaliumsparenden Diuretika“ (z.B. Spironolacton) kombiniert, kann es zu einer sogenannten „Hyperkaliämie“ kommen, einem zu hohen Kaliumgehalt im Serum (> 5,5 mmol/l). Diese anfänglich auch unbemerkte Nebenwirkung kann im schlimmsten Falle zu Herzrhythmusstörungen führen, welche zu den Hauptgründen für medikamenteninduzierte Krankenhausaufenthalte gehören.

Ein Klassiker in der Apotheke ist das jedermann bekannte Aspirin®. Es wird bei einer Vielzahl von Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen (500 mg) oder als Blutverdünner (100 mg) bei Risikopatienten zur Schlaganfall- bzw. Herzinfarktprophylaxe eingesetzt. Eine der Nebenwirkungen von Aspirin®, die man im Beipackzettel ganz oben findet, ist das Auftreten von gastrointestinalen Blutungen und Ulzerationen. Wird nun aufgrund einer rheumatischen Erkrankung ein Glucocorticoid („Cortison“) vom Arzt verordnet und der Patient nimmt eigenhändig Aspirin® zur Schmerzlinderung ein, ist aufgrund dieser Kombination das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt um ein Vielfaches erhöht.

Auch Johanniskraut hat ein nicht zu unterschätzendes Wechselwirkungspotential mit anderen Arzneimitteln. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass es bei gleichzeitiger Einnahme mit „Immunsuppressiva“, die nach einer Organtransplantation eingenommen werden müssen, zur Abstoßung des transplantierten Organs kommen kann. Des Weiteren sind Fälle bekannt, bei denen bei jungen Frauen trotz Einnahme der „Antibabypille“ eine ungewollte Schwangerschaft aufgetreten ist. Für diese Ereignisse macht man einen der Hauptinhaltsstoffe des Johanniskrauts verantwortlich.

Interaktion zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln:

Auch Nahrungsmittel, die für den Laien auf den ersten Blick keinen negativen Einfluss auf Medikamente haben sollten, können die Wirkung von Medikamenten aufheben bzw. verstärken.

In den 90-er Jahren sorgte die Grapefruit für Schlagzeilen in vielen Studienzentren Europas. Testpersonen sollten ihr Medikament mit einem Glas Grapefruitsaft einnehmen, um den unangenehmen Geschmack des Wirkstoffes zu überdecken. Hierbei zeigte sich, dass die Wirkstoffkonzentration im Blut überdimensional zunahm. Heute weiß man, dass ein bestimmter Inhaltsstoff der Grapefruit dafür verantwortlich ist. Vorsicht ist vor allem bei der gleichzeitigen Einnahme sogenannter „Statine“ (zur Senkung des Cholesterinwertes), geboten. Letzteres kann zu Muskelschmerzen bis hin zu lebensbedrohlichen Symptomen führen.

Insgesamt sind momentan ca. 85 Wirkstoffe bekannt, die eine Wechselwirkung mit Grapefruit ergeben. Neben den „Statinen“ zählen unter anderem Antibiotika, Herz-Kreislaufmittel und Zytostatika (Chemotherapeutika) dazu.

Ein weiteres relevantes Beispiel stellt die gleichzeitige Einnahme bestimmter Antibiotika (v.a. Ciprofloxacin und Doxycyclin) zusammen mit Milchprodukten dar. Hierbei können die Antibiotika mit dem Calcium aus der Milch reagieren und damit einen Teil ihrer Wirksamkeit verlieren. Darauf muss der Patient aufmerksam gemacht werden.

Auch bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen gilt es einiges zu beachten. Schilddrüsenhormone werden meist morgens nüchtern, d.h. mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück (auch vor Kaffee- und Teegenuss!), eingenommen. Bei Nichtbeachtung der Nüchterneinnahme kann es zu einer verringerten Aufnahme der Schilddrüsenhormone kommen.

Wie beurteilen wir, ob es zu einer relevanten Wechselwirkung kommen kann?

Jeder Pharmaziestudent absolviert im Rahmen seines Studiums Vorlesungen und Praktika, die sich intensiv mit der Wirkung von Arzneimitteln beschäftigen. Dieses erworbene Fachwissen ist für die spätere Berufsausübung unabdingbar und bildet ebenso wie eine stetige und lebenslange Fort- und Weiterbildung das Rüstzeug für die Durchführung von Interaktionschecks.

Ein datenbankgestützter Interaktionscheck bietet den Vorteil, dass er zeitsparend ist und anhand neuster wissenschaftlicher Erkenntnisse durchgeführt werden kann. Auch unsere Apotheke benutzt professionelle Datenbanken, mithilfe derer man innerhalb von wenigen Minuten einen verlässlichen und aussagekräftigen Wechselwirkungscheck durchführen kann.

Falls Sie Interesse an der Durchführung eines ausführlichen Interaktionschecks haben, sprechen Sie uns hierzu gerne in der Apotheke an. Da sich im Rahmen der Durchführung hochqualifizierte Mitarbeiter um Ihre Belange kümmern, berechnen wir als Aufwandsentschädigung eine Gebühr in Höhe von 15 Euro.

Wie heißt es so schön allabendlich in der Werbung: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen … und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!“

Quellen:

  • Cascorbi, I: Drug interactions-principles, examples and clinical consequences. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(33–34): 546–56. DOI: 10.3238/arztebl.2012.054
  • Schneeweiss S et al. Admissions caused by adverse drug events to internal medicine and emergency departments in hospitals: a longitudinal population-based study. Eur. J. Clin. Pharmacol.2002 ; 58 : 285 – 291